Einige Anmerkungen zu Hochbegabung und Schule

Hochbegabte Kinder sind sehr unterschiedlich, wie sich eben alle Menschen unterscheiden. Es gibt die typischen Hochbegabten nicht. Allerdings stellen sich für Hochbegabte bestimmte Probleme verschärft.

Ein ständig gleichschrittiger und wenig individuell orientierter Unterricht bekommt ihnen nicht. Das gilt allerdings für alle Schülerinnen und Schüler, die ausgeprägte Denk- und Lernziele aufweisen.

Schulisches Lernen ist nicht nur das Ansammeln von Fakten, sondern auch das Verbinden von Fakten, und vor allem, Lernen zu lernen. Die Schule muss einem erlauben, auch eigene Denkwege zu entwickeln, weil selber erdachte Wege besser behalten werden. Das gilt besonders für Mathematik. Selbst wenn ein Denk- und Lösungsweg nicht angemessen zum Ergebnis führt, ist es interessant, den Gedankengang aufzugreifen und für das Lernen zu verwenden.

Hochbegabte sollten nicht wie „Wundertiere“ behandelt werden, die man nur mit speziellem Wissen und Können lehren und erziehen kann. Weder von den Eltern, noch von den Lehrern. Sie sind Kinder wie andere auch, nur eben mit besonders herausragenden intellektuellen Fähigkeiten.

Hochbegabte Kinder können, wie andere auch, Probleme haben, die klinisch behandelt werden sollten. Die Hochbegabung selbst ist keine klinische Kategorie. Sie ist eine Gabe. Manche Problemlagen und Entwicklungsaufgaben stellen sich allerdings anders als bei durchschnittlich begabten Kindern:

So verzichten hochbegabte Kinder, die sich oft sehr gut allein beschäftigen können, unter Umständen weitgehend auf den Umgang mit anderen Menschen: sie werden Eigenbrötler.

Die Fähigkeit, sich die Zeit angenehm und sinnvoll ohne Zutun anderer zu gestalten, kann im Extremfall zu einer Gefahr ihrer sozialen Entwicklung werden. Dies geschieht dann umso leichter, wenn sie in ihrem kindlichen Beziehungsgefüge keine „Gleichartigen“ finden, die ihre Sprache und ihre Interessen teilen.

Hochbegabte müssen genauso lernen, sich zu disziplinieren, zu üben, Langeweile auszuhalten, wenn es um Einüben geht. Flüssiges Schreiben oder Lesen, wenn es dem Kind nicht gerade „zufällt“ (und das ist bei Hochbegabten keineswegs immer so) muss geübt werden. Vokabeln in der Fremdsprache müssen gelernt werden, ebenso das „Einmaleins“. Ein Projektbericht erfordert ausdauerndes Sammeln, Zusammenstellen, Systematisieren, Formulieren.

Sie sollten allerdings nicht unterfordert werden, und es sollte nicht von ihnen verlangt werden, dass sie Unterforderung tagein tagaus klaglos ertragen. Das verbildet den Menschen, erzieht ihn zum „Sich-Dumm-Stellen“.
Sie sollten also nicht künstlich gebremst werden, aus Sorge, dass dann die Leistungs- oder Wissens-Schere in der Lerngruppe weiter auseinander geht. Das ist ohnehin nicht zu verhindern. Wenn die unterrichtlichen Möglichkeiten einer Differenzierung innerhalb von Lernthemen ausgereizt sind und das Kind in allen Bereichen überragende Schulleistungen zeigt, ist ein „Springen“ in die nächsthöhere Lerngruppe („Schuljahr, Schulstufe“) sinnvoll.

Hochbegabte mit einzelnen Defiziten profitieren von Förderung unter Umständen mehr als andere Kinder. Sie konstruieren sich zum Beispiel manchmal eigene Lernhilfen.

Wie andere Kinder auch, benötigen Hochbegabte Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Interesse für ihre Person, Verständnis für ihre Bedürfnisse.



Weitere Hinweise für Lehrkräfte: